HafenCity: die Entstehung eines neuen Stadtteils

Kaum ein städtebauliches Projekt in Deutschland war in den letzten Jahren so ambitioniert wie der Bau der HafenCity im Hamburger Hafen: Ein ganz neuer Stadtteil mit neuer U-Bahn-Linie entstand hier am Ufer der Elbe in direkter Nachbarschaft zu den historischen Lagerhäusern der Speicherstadt.

Das Projekt HafenCity

Wie andere Metropolen mit einem großen Seehafen, der im Zeitalter des Luftfrachtverkehrs stark an Bedeutung verloren hat, stand auch Hamburg vor dem Problem, über riesige ehemalige Hafenflächen zu verfügen, die ihre ursprüngliche Bedeutung verloren hatten. Nach dem Vorbild von London, wo in den 80er Jahren die ehemaligen „Docklands“ des Hafens in ein hochmodernes Geschäftsviertel mit Flughafen, Bahnanbindung und gläsernen Wolkenkratzern umgewandelt wurden, sollte auch in Hamburg ein Teil des Freihafens in ein modernes Wohn- und Geschäftsviertel umgewandelt werden.

Als Ort der HafenCity wurde das Hafengelände der Grasbrook-Insel zusammen mit der Speicherstadt auf den Inseln Kehrwieder und Wandrahm ausgewählt, die zu einem neuen Stadtteil zusammengefasst wurden. In der Regel wird mit HafenCity jedoch nur das Neubaugebiet auf dem Grasbrook bezeichnet, während die historischen Gebäude der alten Speicherstadt auch weiterhin unter dem Namen Speicherstadt bekannt sind.

Mit der HafenCity entstand ein vollständiger neuer Stadtteil mit einer Mischung aus Bürogebäuden, Wohnhäusern, Schulen, Gastronomie und Einzelhandel sowie mehrerer ambitionierter Großprojekte wie der Elbphilharmonie, der HafenCity Universität und dem neuen Kreuzfahrtterminal.

Die HafenCity als neuer Wohnort

Während die neuen Bürogebäude der HafenCity und die schönen von Wasserbecken und Kanälen durchzogenen Freiflächen wie die Magellan- und die Marco-Polo-Terrassen von Anfang an als städtebaulicher Erfolg galten, ist die HafenCity als Wohnort noch umstritten. Vielfach wurde kritisiert, dass die Immobilien lediglich für sehr Wohlhabende erschwinglich sind und das Viertel damit zu einer Enklave für Reiche werden lassen, während viele Einwohner die auf dem Reißbrett entstandene HafenCity mit ihrer modernen Architektur als steril und unwohnlich empfinden. Allerdings ist klar, dass jedes neue Stadtviertel einige Jahre braucht, um wirklich zum Leben zu erwachen und die Arbeiten an der HafenCity sind noch lange nicht abgeschlossen.

Aktuell werden mit dem Überseequartier und dem Quartier Strandkai zwei weitere umfangreiche Bauprojekte vorangetrieben, zu denen als Blickfänger u.a. der Marco-Polo-Tower mit 17 Stockwerken gehört.

Eine neue U-Bahn-Linie für Hamburg

Um die HafenCity an das öffentliche Verkehrsnetz anzubinden, wurde bereits 2007 mit dem Bau der neuen U-Bahn-Linie 4 begonnen, die am Jungfernstieg beginnt und östlich zur HafenCity führt, wo die beiden neuen Stationen Überseequartier und HafenCity Universität gebaut werden. Im Gespräch ist eine Verlängerung der Linie 4 in das südlich der Elbe gelegene Viertel Wilhelmsburg, die jedoch teure Tunnelbaumaßnahmen erfordern würde.

Die HafenCity wird weiterhin von den Linienschiffen der Hamburger Verkehrsbetriebe angefahren, deren Endstation bislang die Landungsbrücken in St. Pauli waren. Möglicherweise wird auch eine S-Bahn-Haltestelle entstehen.