Das Hamburger Rathaus: ein Gebäude im Stil der norddeutschen Renaissance

Neben dem Michel ist das Hamburger Rathaus das wohl bekannteste Gebäude und eines der Wahrzeichen der Hansestadt. Doch auch wenn das Gebäude viel älter wirkt, entstand das Rathaus an seinem jetzigen Ort erst im ausgehenden 19. Jahrhundert und dient heute dem Hamburger Senat und der Bürgerschaft als Sitz.

Vorderansicht vom Hamburger Rathaus

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Das sechste Rathaus der Hansestadt Hamburg

Nachdem das alte Rathaus, das gemeinsam mit Gericht und Bank über mehrere Jahrhunderte das Herz und Hirn von Hamburg darstellte, dem großen Brand von 1842 zum Opfer gefallen war, sollte auf einem freien Platz nahe der Binnenalster ein Neubau entstehen. Die Brandschäden ermöglichten das Anlegen eines neuen Rathausplatzes neben der kleinen Alster, doch bis zur Grundsteinlegung für das neue Rathaus sollten noch ganze 44 Jahre vergehen. In dieser Zeit wurden zahllose Entwürfe abgelehnt, bis sich Senat und Bürgerschaft auf das heute bekannte prächtige Gebäude festlegten, das Stilelemente der italienischen Renaissance mit dem norddeutschen Klassizismus verband. Auch später noch wurde das Bauprojekt immer wieder durch Probleme verzögert, darunter einem Streik der Bauarbeiter und einer Choleraepidemie.

Schon die 111 Meter lange Fassade des Rathauses beeindruckt mit den Statuen von insgesamt 20 deutschen Königen und Kaisern sowie den allegorischen Darstellungen der bürgerlichen Tugenden Weisheit, Eintracht, Tapferkeit und Frömmigkeit. Doch wer das Hamburger Rathaus in seiner ganzen Pracht sehen möchte, sollte sich unbedingt einer der halbstündlichen Führungen anschließen, die täglich zum Preis von 3 Euro angeboten werden.

Führungen durch das Hamburger Rathaus

Die Führungen beginnen im malerischen Innenhof des Rathauses mit dem Hygieia-Brunnen, der eine weibliche Figur darstellt, die einen Drachen besiegt. Hygieia, von der sich auch das Wort Hygiene ableitet, steht dabei für die Gesundheit, die 1892 die Cholera in Hamburg (symbolisiert durch den Drachen) besiegt.

Der HInterhof des Hamburger Rathauses mit Brunnen

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Nicht alle der insgesamt 647 Räume des Rathauses können besichtigt werden. Gezeigt werden u.a. der Plenarsaal der Bürgerschaft, des Hamburger Parlaments, die Ratsstube des Senats, der große Festsaal, der Turmsaal und der Kaisersaal. Auch ein Blick in das goldene Buch der Stadt Hamburg ist möglich.

Der Festsaal ist vor allem bekannt durch das sogenannte Matthiae-Mahl, das bereits seit 1356 jedes Jahr am 24. Februar (dem Tag des heiligen Matthias) in Hamburg stattfindet und somit als ältestes Festmahl der Welt gilt. Bereits seit dem Mittelalter wurden ausländische Minister zu diesem Mahl eingeladen – eine Tradition, die sich bis heute erhalten hat: Zum alljährlichen Matthiae-Mahl kommen lokale Honoratioren, Ehrenbürger und Konsuln zusammen sowie ein besonderer ausländischer Ehrengast aus der internationalen Politik.

Führungen durch das Hamburger Rathaus sind nicht nur auf Deutsch möglich, sondern auch auf Englisch oder Französisch. Bei offiziellen Veranstaltungen im Rathaus sind Führungen gar nicht oder nur eingeschränkt möglich.