Reeperbahn: die sündigste Meile der Welt

Auf der Reeperbahn nachts um halb eins… Wer kennt ihn nicht, den uralten Schlager über die sündige Meile von Hamburg, die seit vielen Jahren Touristen und Nachtschwärmer gleichermaßen anlockt? Zwar hat sich das Bild der Reeperbahn in den letzten Jahren gewandelt, doch noch immer ist die Straße im Viertel von St. Pauli Dreh- und Angelpunkt des Hamburger Nachtlebens.

Die Geschichte der Reeperbahn

Der Name der fast einen Kilometer langen Straße in St. Pauli leitet sich von den einst hier lebenden Seilmachern ab, die in Norddeutschland Reepschläger hießen und dicke lange Schiffstaue herstellten. Für diese Taue war eine lange gerade Bahn notwendig – die Reeperbahn. Die benachbarte Seilerstraße weist darauf hin, dass in ihr kürzere und weniger starke Seile produziert wurden.

Die damalige Vorstadt von Hamburg, auch Hamburger Berg genannt, war schon früh für ihre Amüsierlokale bekannt, doch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts, als die Reeperbahn und ihre umliegenden Straßen schon längst von Wohnhäusern gesäumt waren, entstand die „sündige Meile“ in ihrer heutigen Form. Neben Theatern, wie dem heute noch erhaltenen Operettenhaus am Spielbudenplatz, entstanden viele kleinere Varietés und Trinkhallen, aber auch hochwertige Kulturbetriebe wie die Volksoper. Aufgrund der Nähe zum Hafen, an dem tagtäglich Seeleute auf der Suche nach Zerstreuung ankamen, entstanden im Schatten der Theater viele Striplokale und Animierbetriebe.

Während der Nazizeit wurden nicht nur die vielen in St. Pauli lebenden Ausländer vertrieben oder deportiert – darunter die letzten Einwohner des einzigen Chinatowns von Deutschland –, sondern auch die Amüsierbetriebe verboten. Einzig in der Herbertstraße war die Prostitution noch erlaubt – verborgen hinter Sichtschutzwänden an den beiden Zugängen zur Straße, die bis heute erhalten geblieben sind.

Die Reeperbahn im Wandel der Zeit

Die Reeperbahn und die benachbarte Große Freiheit zeigten sich früh empfänglich für neue Musiktrends aus Großbritannien und den USA und noch heute ist Hamburg stolz darauf, dass die Beatles im Star-Club an der Großen Freiheit 1962 ihren ersten großen Auftritt hatten. In den 80er Jahren wurde die Reeperbahn erneut Trendsetter, als im Operettenhaus das Musical „Cats“ Premiere feierte und einen unvergleichlichen Musicalboom in Deutschland auslöste, der Hamburg zur Musicalstadt Nummer 1 machte.

Durch den Erfolg von „Cats“ wandelte sich allmählich auch das Bild am Spielbudenplatz, an dem neben dem Operettenhaus und dem traditionsreichen St. Pauli Theater weitere Theater wie Schmidts Tivoli, das Imperial Theater und die Fliegenden Bauten entstanden. In ihrem weiteren Verlauf bietet die Reeperbahn und die angrenzende Große Freiheit zwar nach wie vor Striplokale und Peepshows, doch die „sündigste Meile der Welt“ ist lange nicht mehr so verrucht wie noch vor einigen Jahrzehnten – und so sind ganz normale Hotels und Gastronomiebetriebe nun eher die Regel als die Ausnahme.