Speicherstadt: ein Teil des Hamburger Freihafens

Kein anderer Gebäudekomplex erinnert so an die Bedeutung des Hamburger Hafens für den internationalen Handel als die historische Speicherstadt im Freihafen mit ihren alten Backsteinbauten, in denen einst Güter aus aller Welt lagerten, ehe sie von Hamburg aus den Weg nach ganz Mitteleuropa fanden.

Die Geschichte der Speicherstadt

Schon seit dem Mittelalter war Hamburg eine der wichtigsten Hafenstädte Nordeuropas, in der Waren aus aller Welt eintrafen. Die Hamburger Kaufleute genossen dabei das Recht, Importgüter zollfrei zu lagern und zu verarbeiten, ehe sie sie mit meist hohem Gewinn weiterverkauften. Als Hamburg 1871 Teil des Deutschen Reiches wurde, sollte die Hansestadt auch Mitglied des von Preußen dominierten Deutschen Zollvereins werden, wodurch die Kaufleute ihr Recht des zollfreien Handels verloren hätten. Als Kompromiss wurde ein Freihafengebiet vorgeschlagen, das nicht zum deutschen Zollgebiet gehörte und in dem die Hamburger Kaufleute weiterhin zollfrei handeln konnten.

Als Freihafengebiet wurden die beiden dicht besiedelten Elbeinseln Kehrwieder und Wandrahm ausgewählt, deren Einwohner zwangsumgesiedelt wurden, damit die Häuser abgerissen werden konnten. An ihrer Stelle entstand die Speicherstadt, die aus Lagerhäusern und Kontoren der Kaufleute in neugotischer Backsteinarchitektur bestand, die bis heute Besucher begeistern. Um den Umschlag der Waren – vor allem Kaffee, Tee und Gewürze aus Übersee – zu erleichtern, wurden alle Häuser so gebaut, dass eine Seite ans Wasser grenzt und eine Seite an die Straße. Güter wurden in der Speicherstadt jedoch nicht nur gelagert, sondern auch für den Handel im Deutschen Reich und darüber hinaus weiterverarbeitet.

Die Speicherstadt heute

In den frühen Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts verlor die Speicherstadt allmählich ihre Bedeutung. Der Überseehandel wurde immer mehr von der modernen Containerschifffahrt und dem Luftfrachtverkehr übernommen, sodass die Lagerhäuser als solche obsolet wurden. Zwar werden noch heute einige Häuser der Speicherstadt zum Lagern größerer Güter wie beispielsweise Teppiche genutzt, doch die meisten erhielten neue Bestimmungen.

Das Speicherstadtmuseum schildert die Geschichte und das Leben in der Speicherstadt und erzählt mit dem benachbarten Gewürzmuseum und dem Zollmuseum anschaulich von der Bedeutung des Hamburger Hafens für den Welthandel. Sehr beliebt bei Touristen ist die Gruselattraktion Hamburg Dungeon und das sogenannte Miniatur Wunderland, die größte Modelleisenbahnanlage der Welt: Auf gut 1.300 Quadratmetern Fläche verkehren hier 930 Züge auf 13 Kilometern Gleise, ergänzt von einem detailgetreuen Flughafen und vielen anderen liebenswerten Details.

Daneben wurden mehrere Speicherhäuser in Bürogebäude umgewandelt, in denen sich eine Vielzahl an Firmen niedergelassen hat, darunter der Musicalveranstalter Stage Entertainment, der hier auch eine Musicalschule und ein kleines Theater betreibt.

Die Speicherstadt, die früher nur im Rahmen von Hafenrundfahrten kurz per Boot durchfahren wurde, gehört heute zu den beliebtesten touristischen Zielen der Hansestadt.